Herausforderndes Verhalten

Wer fordert wen heraus?

Am 8. November trafen sich etwa zehn Mütter und Väter auf Gut Hausen, um gemeinsam das Thema "herausforderndes Verhalten" zu bearbeiten. Diesmal gab es keinen Impulsvortrag. Die Impulse brauchten wir diesmal gar nicht von außen. Die Kurzberichte kamen von uns Eltern selbst. Direkt aus dem Leben.

Die Kinder, um die es an diesem Abend ging, waren zwischen 4 und 34 Jahren. Aber alle hatten etwas zum Thema zu sagen. Alle kannten das Gefühl, krampfhaft ruhig und gelassen zu bleiben in bestimmten Situationen, immer auf der Hut zu sein, die Situation zu deeskalieren. Die Berichte nahmen am Spannungsbogen zu. Wann, zu welchem Zeitpunkt würde das Elternteil resignieren? Oder doch zurück schreien, wenn nicht gar schlagen? Und das alles nur, weil wir aus der "Regelwelt" meinen, dass es jetzt an der Zeit ist, sich zu sortieren, umzustellen, pünktlich zu sein, sozusagen richtig zu verhalten.

Wer fordert hier eigentlich wen heraus? Das Kind mit Behinderung mich als Elternteil? Oder fordere ich vielleicht zu viel?

Die Menschen mit Behinderung ticken aus, schreien, toben, beißen, schlagen um sich, drohen mit aus dem Fenster springen, machen einfach nicht das, was wir Eltern, Lehrer, Werkstattleiter, Kita-Erzieher, die Aussenwelt, die Gesellschaft erwartet. Wie kann ich noch arbeiten gehen, wenn alles aus dem Ruder läuft? Ich muss doch pünktlich sein, also bin ich schon grundgestresst, wenn der morgendliche Ablauf reibungslos sein soll. Ich möchte aber, dass mein Sohn mal eine neue Badehose ausprobiert. Das Leben ist so. Ich möchte, dass meine Tochter sich an Regeln hält. Das gehört sich so. Ich möchte doch selbst auch pünktlich sein, also gebe ich meinen Druck weiter.

Auffällig ist das Verhalten.

Herausfordernd ist das Verhalten. Immer wieder taucht es auf. Mehr noch bei nicht-sprachlichen Menschen als bei denen, die ihre Sprache einsetzen können, zeigt unsere bewegte Umfrage schon am Anfang. Das Verhalten zeigt sich durch alle Altersstufen hindurch gleich stark verteilt. Das Verhalten zeigt sich besonders bei den engen Bezugspersonen (Mutter/Vater) deutlich stärker als in einer Einrichtung. Hier funktionieren die Menschen irgendwie angepasster oder reagieren auch hier mit Schreien und Schlagen, Gläser umschütten oder tätlichen Angriffen. Unsere Umfrage war nur klein und vielleicht nicht repräsentativ. Aber einig waren wir uns, gäbe es bestimmte Anforderungen nicht, so wäre das Verhalten völlig entspannt. Nur so kann ich mir erklären, dass unser Wochenende völlig entspannt läuft. Ohne Geschrei und Theater. Ohne Beißen und Schlagen. So angenehm kann es sein. Eine echte Herausforderung - das Verhalten. Das Verhalten des Kindes meiner gestellten Aufgabe gegenüber.

Oder aber auch anders herum. Eine Herausforderung - mein Verhalten, an einem Montagmorgen alles anderes zu fordern, als es die letzten zwei Tage zuvor gelaufen ist. Es erfordert immer wieder Einfühlungsvermögen, Geduld und Energie. Manchmal kann ich das gut leisten.

Manchmal habe ich all das nicht. Dann tut es gut, dass WIR uns haben und das WIR uns austauschen können.

Danke dafür.

Dieser Beitrag wurde erstellt von: Dada

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