Andrá tutto bene

Andrá tutto bene – Alles wird gut, aber nicht bei uns im Hof

Es sind außergewöhnliche Zeiten. Die ganze Welt ist bedroht von einer Pandemie.

So gibt es viele Möglichkeiten, sich weltweit zu vernetzen und zu verbünden. Es gibt neue Wege, online zu kommunizieren, um sich in Distanz doch irgendwie nahe zu fühlen, sich zu sehen und zu hören, wenigstens auf dem Bildschirm. Wir können Zeichen setzen. Ein Zeichen ist der Regenbogen.

 Der Regenbogen ist bunt und schön. Ein Hoffnungszeichen. In vielen Fenstern sehen wir bunt bemalte Regenbögen auf Papier. Jeder hat seine eigene Technik und seine eigene Farbauswahl getroffen, mal mit Filz- oder Buntstift, aber auch mit Wachsmalkreide oder Wasserfarben. Aber am allerschönsten ist es für uns, wenn wir das Wetter draußen genießen können und auf dem Hof malen. Auf dem Hof malen wir mit Kreide. Das macht Laune und ist nach dem nächsten Regen gleich wieder weg.

Es ist nicht immer der echte Regenbogen, den Jana malt. Also in ihrer Vorstellung vielleicht schon, aber ich kann ihn nicht so recht entdecken – den Bogen. Aber das ist auch egal. Es macht ihr Spaß. Es ist ein Ausdruck von Freude. Ihr Gemälde ist auf alle Fälle genauso bunt wie ein Regenbogen.

Nur unsere Vermieterin sieht darin nichts Fröhliches. Die wenigen Striche, die Jana auf den Hof zeichnet während sie darauf wartet, dass ich ihr Therapiefahrrad aus der Garage hole, geben Anlass zum Kopfschütteln. Im Hof malen auch andere Kinder. Die Kinder aus der Mietswohnung unter uns und die Enkelkinder. Alle sind so etwa zwischen drei und sechs Jahren. Die Zeichnungen ähneln den Strichgebilden von Jana sehr.

Aber bei Jana gibt es Grund genug für eine Rüge. Hier im Hof dürfen nur die Kleinen malen, nicht die Großen. Das scheint mir neu und ich kann auch keinen Passus im Mietvertrag erkennen. So lerne ich immer wieder Neues, was mir mit einem Kind mit Behinderung passiert. Mit 22 Jahren ist also das Alter überschritten, um auf Nachbars Hof zu malen.

Jana hat das sehr wohl verstanden. „Die hat’s verboten.“ Ihre Aussage führt zwar nicht zu einer Annäherung der erhitzten Gemüter, aber trifft es ziemlich genau auf den Punkt. Im Hof darf Jana nicht malen. So verlassen wir aufgeregt unseren Garagenhof und schauen lieber in andere Hofeinfahrten hinein.

Prachtvolle, bunte und kreative Kinderzeichnungen, Hickel-Kästchen, Regenbögen in groß und klein sehen wir überall. Hoffnungsvoll. Das macht Spaß. Hier draußen können wir uns freuen. Hier draußen darf gemalt werden. Alles wird gut – wenn nicht auf dem Hof, dann eben auf der Straße.

Dieser Beitrag wurde erstellt von: dada

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