Nicht alltäglich

Eine Lesung über un-alltägliche Geschwister.

Ich war gespannt, ob das Un-alltägliche eine Form finden würde, ob die nicht alltägliche, die besondere und manchmal außergewöhnliche Situation von Geschwistern von Menschen mit Behinderung mit einer Lesung an die Zuhörer transportiert werden könnte.

Ist nicht jede Geschwistersituation in irgendeiner Art un-alltäglich, facettenreich, anders, besonders.

Wie das Gefühl des Alltäglichen, des nicht besonderen, des Normalen im gemeinsamen Aufwachsen sich verändern kann zu einem Gefühl einer erdrückenden Last , weil Rücksichtnahme und Verantwortung schwer zu (er-)tragen sind haben die beiden Vortragenden eindrucksvoll vermittelt.

Wie schwer es sein kann die Balance zu finden zwischen der Absicht den anderen unterstützen zu wollen ohne sich selbst dabei zu vergessen wurde sehr deutlich.

Die Texte waren brillant ausgewählt und zusammen gestellt und führten zu einer nicht absehbaren Dichte von widersprüchlichen Gefühlen mit denen Geschwister aufwachsen. Die hervorragende Vortragsweise hat die Stimmungen akzentuiert. Vielen Dank für die tolle Auswahl und die mutige und berührende Lesung!

Der Abend hat Spuren hinterlassen.

Nicht zuletzt auch den Wunsch, dass für Geschwister mit behinderten Geschwistern Möglichkeiten des Austauschs angeboten werden, dass sie nicht alleine bleiben mit den un-alltäglichen Herausforderungen in der Familie.

Dass ein Bedarf da ist, zeigt sich in der wachsenden Zahl der Menschen, die regional, überregional, medial oder persönlich in Kontakt kommen, um Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen, vom Kind bis zum Erwachsenen.

In meiner Kindheit gab es diese Angebote noch nicht. So wie sich Eltern von Kindern mit Behinderung zusammengeschlossen haben und gespürt haben, dass es hilfreich sein kann unter Gleichgesinnten zu sein, so haben sich auch erwachsene Geschwister bei „erwachsene-geschwister.de“ gefunden. Hier steht der Mensch mit seinen Gefühlen und Erfahrungen im Mittelpunkt.

Ich wünsche mir mehr solcher Abende die Spuren hinterlassen und Menschen berühren.

Ein herzliches DANKE SCHÖN!

Dieser Beitrag wurde erstellt von: kümmerling

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