Auszug 3.0

Es ist ein riesengroßer Schritt. Es ist mal wieder ein richtig großer Schritt, den mein Kind geht. Auszug in die neue Wohnstätte. Die Koffer sind dort. Alles wurde in die Schränke verstaut. Es kann los gehen.

Zwischen einem "Mama, ich will schmusen. Ich vermisse dich jetzt schon. Ich will hier nicht weg. Ich will bei dir schlafen" und einem "juchhu, ohne Eltern, geh weg, lass mich in Ruhe, endlich habe ich meine Ruhe, du blöde Kuh, ich freu mich, dass ich bald weg bin" war das ganze Spektrum dabei. Weinen und Lachen, Aufgelöstheit und Aufregung, Anspannung, Unsicherheit und Vorfreude. Ich hoffe, es funktioniert. Ich hoffe, es tut ihr gut. Ich hoffe, sie fühlt sich wohl.

Ich weiß, dass ich mich von vielem verabschieden muss, was sie jetzt konnte und erreicht hat. Corona... es war eine unglaublich intensive, anstrengende, aber auch unheimlich schöne gemeinsame Zeit. Jana wird bestimmt nicht so gefördert und gefordert wie in den letzten Monaten, aber sie muss mit einer Welt ohne Eltern klar kommen. Das ist doch auch schon was und das ist das echte Leben! So hart das auch sein mag oder auch klingen mag. Die Leitung und die Betreuer der neuen Wohnstätte sind noch jung und viele unerfahren. Wie sehr würde ich mir wünschen, sie könnten mitfühlen, wie es uns daheim Gebliebenen geht.

Tag drei. Ohne eine Rückmeldung. Ich habe nichts gehört - vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Ich habe nichts gehört, würde ich aber gerne. Ich könnte mich erkundigen und nachfragen und dort melden, tue ich aber nicht. Ich versuche, abzuwarten und geduldig zu sein. Ich versuche, ihr was zuzutrauen. Es fällt mir ganz schön schwer.

Viele Menschen meinen, man müsse als Eltern doch nur loslassen. Ich hasse den Begriff!!! Wie viel mehr müssen wir eigentlich noch beweisen, dass wir das können?! Ab Tag eins ihres kleinen Lebens war sie alleine auf sich gestellt im Apparate-Dschungel. Ich kann loslassen, wenn ich weiß, wohin. Ich kann loslassen, wenn alles gut funktioniert.

Meine andere Tochter meldet sich doch auch ständig bei mir. Einfach so. Per Handy. Mal sind es Anrufe oder Sprachnachrichten. Und nicht immer habe ich das eingefordert. Sie erzählt, sie teilt Freude und Leid, Ärger und Überraschung. Ich nenne das ein Vertrauensverhältnis und eine gute Bindung, eine tragfähige Beziehung. Warum wird mein Wunsch nach einem Lebenszeichen, nach einer Info zu Jana und ihrem Zustand gegen mich ausgelegt... Die überbehütende, hysterische Helikopter Mutter, die alles kontrollieren will?!

Es ist nicht das erste Mal, dass sie geht. Und wir wachsen damit. Es tut mir trotzdem ein bisschen weh, sie gehen zu lassen. Ich lenke mich ab, fahre Rad, war arbeiten, habe die Patentante besucht, wasche Wäsche. Das Leben geht weiter. Jana ist auf ihren Weg vorbereitet und ich versuche nur ein bisschen den Weg zu ebnen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von: dada

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