Jubiläum: 60 Jahre Lebenshilfe Frankfurt

Lebenshilfe Frankfurt - Satzung

Die Geschichte der Lebenshilfe Frankfurt

Vorwort

Zum 60. Geburtstag der Lebenshilfe Frankfurt am Main schauen wir zurück auf wesentliche Meilensteine der Vergangenheit und richten zugleich den Blick in die Zukunft.

Die Rückschau führt uns zu den Wurzeln der Lebenshilfe: Sie ist vor 60 Jahren als Selbsthilfegruppe von Angehörigen gestartet. Das ehrenamtliche Engagement von Mitgliedern und Freunden ist auch heute noch ein ganz wichtiges Merkmal unserer Arbeit.

Die Lebenshilfe Frankfurt am Main gehört zur großen Lebenshilfe-Familie in Deutschland, die aus mehr als 500 Orts- und Kreisvereinigungen besteht.

Die Lebenshilfe Frankfurt ist heute ein moderner Sozialdienstleister. Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen mehr als 900 Klientinnen und Klienten. Wir betreiben Kindertagesstätten, Wohneinrichtungen und unterstützen Menschen zu Hause ebenso wie in Beratungsstellen.

Sozial und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, heißt für uns, genug Geld zu verdienen,

  • um neue Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen zu schaffen,
  • zuverlässig die Gehälter der Beschäftigten zahlen zu können und
  • für Risiken gewappnet zu sein.

Die Besinnung auf unsere „Wurzeln“ hilft uns, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Unser Tun messen wir stets an der Frage: „Welchen Vorteil ziehen unsere Mitglieder und Klienten daraus?“

Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu dem Schluss kommen: Es ist ein Gewinn, sich für die Lebenshilfe und ihre Anliegen zu engagieren.

Von der Umsetzung einer Idee

Ohne Christine Heuser wäre die Lebenshilfe Frankfurt nicht, was sie heute ist. Sie war eine von 39 Gründer*innen und hat 40 Jahre lang im Vorstand mitgearbeitet. Sie hat die Alte Mühle zu einem Treffpunkt für Familien mit Kindern mit Behinderung gemacht und später zu einem Wohnort für Menschen mit Behinderung. Und immer wieder hat sie andere Menschen zum Mitmachen begeistert.  

"Die Gründung der Lebenshilfe war für mich eine Art Offenbarung, weil ich zum ersten Mal Menschen traf, die die Probleme der geistig Behinderten ernst nahmen und etwas für sie tun wollten."

Christine Heuser (1907 - 2003)
Porträt Christine Heuser

Eine Mutter organisiert die Lebenshilfe Frankfurt

Die Alte Mühle in Enkheim ist heute das Zuhause von fast 40 Menschen mit Behinderung. Früher lebte dort Christine Heuser, die die Lebenshilfe Frankfurt mitbegründet hat. Man kann also sagen: In der Alten Mühle fing die Geschichte der Lebenshilfe an.

Es herrschte Krieg, Hitler und die Nationalsozialisten regierten Deutschland. Eines ihrer Ziele war, „unwertes Leben“ zu vernichten. Aus Sicht der Nazis waren auch Menschen mit Behinderung „unwertes Leben“.

In dieser Zeit bekam Christine Heuser ihr drittes Kind: eine Tochter namens Ingrid, die das Down-Syndrom hatte. Die Eltern wehrten sich dagegen, dass Ingrid in eine Anstalt gebracht wurde, wo man sie vermutlich getötet hätte.

Aber auch nach dem Krieg war das Leben für die Familie Heuser schwierig. Es gab viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung. Andere Eltern verboten ihren Kindern, mit Ingrid zu spielen, in der Schule fand sie kaum Freunde. Und: Es gab keine Unterstützung für Kinder mit Behinderung und für ihre Familien.

Es dauerte lange, bis sich daran etwas änderte. Im Jahr 1958 war der Pädagoge Tom Mutters in Deutschland unterwegs: Er hielt in verschiedenen Städten Vorträge, wie man das Leben von Menschen mit Behinderung verbessern kann. Und: Er suchte Eltern und Fachleute, die dabei mithelfen wollten und konnten.

Christine Heuser erfuhr davon und war begeistert: Endlich gab es jemanden, der die Probleme von Menschen mit Behinderung verstand. Also gründete sie gemeinsam mit anderen Eltern den Verein „Lebenshilfe für das behinderte Kind“. Christine Heuser war damals 51 Jahre alt, ihre Tochter 15.

Der Verein brachte viele Familien mit Kindern mit Behinderung zusammen – und Abwechslung in ihr Leben. Die Familien machten gemeinsam Ausflüge oder sie trafen sich im großen Garten der Alten Mühle, zum Spielen, Sport machen oder einfach zum Feiern.

Beim traditionellen Gartenfest waren von Anfang an auch Nachbarn aus Enkheim und Freunde der Familien dabei. So wurde die Alte Mühle zu einem Ort der Begegnung und zum Zentrum der Lebenshilfe Frankfurt.

Das Thema Wohnen war dem Verein ebenfalls wichtig. Christine Heuser und die anderen Eltern wollten, dass ihre Kinder später einmal selbständig in einer eigenen Wohnung leben können – so wie andere Erwachsene auch.

Viele Jahre später, nämlich 1992, wurde die erste Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung gegründet: in der Alten Mühle. Christine Heuser zog dafür vom Haupthaus in das Vorderhaus um. Die Lebenshilfe Frankfurt übernahm die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner, zu denen auch Ingrid Heuser und ihr Freund gehörten.

Christine Heuser war inzwischen 85 Jahre alt – und zu ihrem Geburtstag bekam sie eine besondere Auszeichnung für ihr großes Engagement: das „Verdienstkreuz am Bande“ des Bundespräsidenten.

1995 eröffnete die Lebenshilfe Frankfurt schließlich die erste Wohnstätte. Das Haus in Seckbach, das Platz für mehrere Wohngruppen hat, bekam den Namen: Christine-Heuser-Haus.

1998 zog Christine Heuser zu ihrem Sohn nach Stuttgart und lebte in einem Altenheim. Auch ihre Tochter mit Behinderung lebte dort, nachdem sie aufgrund ihrer Krankheit Demenz nicht mehr in der Alten Mühle bleiben konnte, bis zu ihrem Tod am 11. August 2001. Christine Heuser ist am 15. Februar 2003 gestorben.

Die Alte Mühle gehört heute der Lebenshilfe Frankfurt. Im Laufe der Jahre wurden die alten Gebäude saniert und es wurde ein neues Haus gebaut. Seit 2009 gibt es in der Alten Mühle somit drei Wohngruppen und fünf Wohnungen mit Betreuung.

Christine Heuser in den 1980er Jahren
Ingrid Heuser (Foto: Familienbesitz Gerhard Heuser)
Christine Heuser mit ihren Töchtern Ingrid und Brigitte in der Rhön 1959 (Foto: Familienbesitz Gerhard Heuser)
Eine Stadträtin gratuliert zum 90. Geburtstag: Christine Heuser mit ihren Kindern Ingrid und Gerhard 1997 (Foto: Familienbesitz Gerhard Heuser)
Die Alte Mühle in Bergen-Enkheim

Vom Gartenfest bis zum betreuten Wohnen: Die Alte Mühle im Wandel der Zeit

Die Alte Mühle in Enkheim ist seit langer Zeit ein Zuhause und ein Treffpunkt für Menschen mit Behinderung. Die Alte Mühle gehört also fest zur Geschichte der Lebenshilfe Frankfurt dazu. Aber sie ist viel, viel älter als die Lebenshilfe selbst!

Aus alten Schriften wissen wir, dass es die Mühle schon im 14. Jahrhundert gab, also vor 800 Jahren. Die alten Teile des Gebäudes wurden im Jahr 1728 gebaut, also vor ungefähr 400 Jahren.

Die Geschichte der Alten Mühle seit dem Zweiten Weltkrieg kennen wir besser. Denn damals wohnte Christine Heuser mit ihrem Mann und den drei Kindern Gerhard, Gudrun und Ingrid dort. 1952, also ein paar Jahre nach dem Krieg, kaufte die Familie die Alte Mühle.

1959 war Christine Heuser eine von 39 Gründer*innen des Vereins „Lebenshilfe für das behinderte Kind“ und hat dann oft andere Familien mit Kindern mit Behinderung in die Alte Mühle eingeladen: zum Spielen, Sport machen und Feiern. Es gibt bis heute das große traditionelle Gartenfest mit Unterstützung örtlicher Vereine und Freunde der Lebenshilfe.

In den 1970er Jahren wurde die Alte Mühle renoviert.

1992 zog die erste Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung in die Alte Mühle ein. Auch Ingrid Heuser, die Tochter von Christine Heuser, gehörte dazu.
Damit die Wohngemeinschaft Platz hat, zog Frau Heuser aus dem Haupthaus in das Vorderhaus der Alten Mühle um. Außerdem musste einiges umgebaut und renoviert werden. Frau Heuser zahlte dafür 100 000 Euro, die Stadt Frankfurt und der Landeswohlfahrtverband gaben Geld dazu.
Die Lebenshilfe Frankfurt mietete das Haupthaus und übernahm die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner.

1998 zog Christine Heuser zu ihrem Sohn nach Stuttgart und lebte in einem Altenheim. Auch ihre Tochter mit Behinderung lebte dort, nachdem sie aufgrund ihrer Krankheit Demenz nicht mehr in der Alten Mühle bleiben konnte.

So wurde in der Alten Mühle noch mehr Platz frei für betreute Wohngruppen. Vier Erwachsene mit Behinderung zogen ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden von der Lebenshilfe Frankfurt unterstützt.

2001 kaufte die Lebenshilfe Frankfurt die Alte Mühle. Das waren die Pläne für das 3500 Quadratmeter große Gelände: Die alten Gebäude sollten umgebaut werden und ein Haus mit Wohn- und Tagesstätte für ungefähr 20 Menschen sollte neu gebaut werden. 2007 begannen die Bauarbeiten.

2009 war die Wohn- und Tagesstätte fertig. In drei Wohngruppenleben nun insgesamt 25 Bewohnerinnen und Bewohner. Manche von ihnen werden auch in der Tagesstätte der Alten Mühle betreut. Außerdem kommen auch Menschen mit Behinderung aus anderen Wohnheimen in die Tagesstätte.

In den alten Gebäuden hat sich auch viel verändert, dort gibt es inzwischen noch mehr betreutes Wohnen. Im Vorderhaus leben heute 3 Menschen mit Behinderung in ihren eigenen Wohnungen. Im Haupthaus gibt es 2 Einzel-Wohnungen und 2 Wohngruppen mit jeweils 2 Personen. Die Lebenshilfe Frankfurt unterstützt alle Bewohnerinnen und Bewohner.

Alte Mühle 1977
Flötenkreis der Musikschule beim Gartenfest der Alten Mühle 1980 (Ingrid und Christine Heuser)
Das Betreute Wohnen wird gegründet: die erste Stellenanzeige erscheint in der Frankfurter Rundschau am 25.01.1992
Wohnstätte Alte Mühle 2011

Chronik - Die Lebenshilfe in Jahrzehnten

Die 1960er Jahre - Gemeinsame Begegnungen

Der Anfang

1958 schließen sich Mütter und Väter, Pädagog*innen und Mediziner*innen in Marburg auf Initiative des niederländischen Pädagogen Tom Mutters zum Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V." zusammen.

In Frankfurt ist es drei Jahre später soweit: Die „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind Frankfurt e.V.“ wird am 27.06.1961 von Christine Heuser und weiteren engagierten Eltern und Fachleuten gegründet.

Treffen, Ausflüge und Gesprächskreise für Familien mit einem Kind mit Behinderung gehören von Anfang an zum Programm. Später kommen Freizeit-Angebote für Menschen mit Behinderung dazu, 1971 zum Beispiel der erste Schwimmkurs!

Wochenendfreizeit mit Christine Heuser 1970
Schwimmunterricht an der Dahlmannschule ca. 1980
Die 1970er Jahre - Selbstbestimmt leben

Reha statt Verwahrung

In den 70er Jahren stellt die Lebenshilfe eine neue Forderung auf: Rehabilitation statt Verwahrung! Menschen mit geistiger Behinderung sollen mehr Unterstützung und Förderung bekommen – egal wie stark ihre Behinderung ist. In der Folge werden im ganzen Land – zusätzlich zu Kindergärten, Schulen und Tagesstätten – auch Frühförderstellen, Werkstätten und Wohnheime eröffnet.

Selbstbestimmt leben!

Die Lebenshilfe Frankfurt unterstützt den Bau von Wohnanlagen für junge Menschen mit Behinderung, unter anderem 1976 in Bonames: Am Wendelsgarten 14.

Arbeit in der Werkstätte 1970
Die 1980er Jahre - Integration

Integration!

Ab den 1980er Jahren fordert die Lebenshilfe die Integration von Menschen von Behinderung. Kinder mit und ohne Behinderung sollen in dieselben Schulen gehen können. Menschen mit Behinderung sollen dort arbeiten können, wo auch Menschen ohne Behinderung arbeiten. Es soll Sport- und Freizeitangebote geben, bei denen sich Menschen mit und ohne Behinderung treffen.

Werkstattrat

Die Lebenshilfe Frankfurt macht sich für eine Interessenvertretung von Eltern und Beschäftigten in den Praunheimer Werkstätten (pw°) stark. Das Ergebnis ist 1983 der erste Werkstattrat in den Praunheimer Werkstätten.

Frühförderung

1983 nimmt die Lebenshilfe Frankfurt die Frühförderung in ihr Angebot auf.

Familienentlastender Dienst

1989 startet die Lebenshilfe Frankfurt mit dem Familienentlastenden Dienst. Später wird dieser umbenannt in: Ambulante Familienhilfe.

Inklusiver Sportkurs, Sportverein in Niederursel 1985 (Elke Enders)
Frühförderung Anfang der 1990er Jahre (Doris Maas und Max)
Die 1990er Jahre - Mitsprache

Grundsatzprogramm

Seit der Gründung der „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ 1958 in Marburg sind in Deutschland an vielen Orten weitere Lebenshilfe-Vereine gegründet worden. Im Jahr 1990 wird ein erstes gemeinsames Grundsatzprogramm verabschiedet. Die Idee der Selbstbestimmung spielt darin eine zentrale Rolle, gemäß dem Satz: „Ich weiß doch selbst, was ich will!“

Integrative Kitas

1991 eröffnet die Lebenshilfe Frankfurt die ersten integrativen Kitas: eine Krabbelstube in Bornheim und einen Kinderladen im Nordend.

WGs für Menschen mit Behinderung

1992 wird in der Alten Mühle in Enkheim die erste Wohngruppe für Menschen mit Behinderung eingerichtet. Die Lebenshilfe Frankfurt übernimmt die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner.

Sozialpädagogische Familienhilfe

1993 nimmt die Lebenshilfe die Sozialpädagogische Familienhilfe in ihr Angebot auf.

Christine-Heuser-Haus

1995 eröffnet die Lebenshilfe Frankfurt in Seckbach die erste Wohnstätte für Menschen mit Behinderung. Das Haus hat Platz für mehrere Wohngruppen und bekommt den Namen: Christine-Heuser-Haus.

Ausflug der Krabbelstube Gellertstraße in den Güntersburgpark 1992/93 (Andrea Immel m.)
Erste Wohngemeinschaft Alte Mühle ca. 1992 (Petra Endorf, Stefan Häfner, Reinhard Anger, Werner Trapp, Hans-Georg Wörle, Margot Pacyna)
Flyer zur Eröffnung des Christine-Heuser-Hauses in Seckbach 1995
Die 2000er Jahre - Recht auf Teilhabe

Lebenshilfe Stiftung

2001 wird eine Stiftung gegründet, die die Lebenshilfe Frankfurt u.a. beim Bau von Wohnraum für Menschen mit Behinderung unterstützt.

Atelier Goldstein

2001 eröffnet die Lebenshilfe Frankfurt das Atelier Goldstein, in dem Künstler und Künstlerinnen mit Behinderung arbeiten.

Forum

2003 eröffnet die Lebenshilfe Frankfurt das Forum. Dort ist Platz für die neue Frühförder- und Beratungsstelle, den Bereich Freizeit und Reisen, die Sozialpädagogische Familienhilfe und die Geschäftsstelle.

UN-Behindertenrechtskonvention

Am 26. März 2009 stimmt der Bundestag der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zu. Damit verpflichtet sich Deutschland, für Inklusion in allen Lebensbereichen zu sorgen. In dem Abkommen steht, dass alle Menschen in ein Recht auf Teilhabe besitzen. Die UN-Konvention ist ein Meilenstein im Kampf um die Rechte von Menschen mit Behinderung. Der zentrale Satz darin lautet: „Nichts über uns ohne uns!“.

Wohnstätte Alte Mühle

Die Lebenshilfe Frankfurt wird Eigentümerin des Geländes Alte Mühle und saniert 2009 die alten Gebäude und baut neue Häuser für drei Wohngruppen.

Gut Hausen

2009 übernimmt die Lebenshilfe Frankfurt nach der Verschmelzung mit dem Verein "Gib mir deine Hand" das Gut Hausen. Gut Hausen wird zum Mittelpunkt der Lebenshilfe: Dort befinden sich verschiedene Bereiche und zwei Kindereinrichtungen und jedes Jahr wird dort das Hof- und Kelterfest gefeiert.

Einweihung Wohnprojekt Nieder-Eschbach 2008 (Günter Bausewein, Frank Mußmann, Joachim Laubner)
Einweihung Atelier Goldstein auf dem Gelände der Fabrik Sachsenhausen 2008
Pressetermin Spatenstich - das Forum im Bau 2002 (Harald Scheibl, Cornelia von Wrangel, Frank Mußmann, Bernhard Spiller, Franz Frey, Günter Bausewein, Erika Peters)
Gartenfest in der Alten Mühle 2011
Einweihung Gut Hausen: das erste Hof- und Kelterfest 2013 (Stephan Zimmer, Volker Liedtke-Bösl, Frank Mußmann, Prof. Dr. Daniela Birkenfeld)
Die 2010er Jahre - Selbstvertretung

Inklusion!

2011 verabschiedet die Bundesvereinigung Lebenshilfe ein neues Grundsatzprogramm, das wesentliche Punkte zur Inklusion aus der UN-Konvention berücksichtigt.

Fachdienst für Inklusive Pädagogik

2015 startet der Fachdienst für Inklusive Pädagogik an Frankfurter Schulen.

Bundesteilhabegesetz

2016 setzt sich die Bundesvereinigung der Lebenshilfe für Verbesserungen am Bundesteilhabegesetz (BTHG) ein. Am 15. Juli 2016 gibt es in ganz Deutschland Protestaktionen und Gespräche mit Politikern. Die Kampagne hat Erfolg! Als der Bundestag die Gesetze im Dezember 2016 verabschiedet, sind viele Forderungen der Bundesvereinigung der Lebenshilfe im neuen Gesetz aufgegriffen.

Projekt WIR

2016 baut die Lebenshilfe Frankfurt das Projekt WIR auf, um die Selbsthilfe von Eltern und Angehörigen von Menschen mit Behinderung zu stärken.

Inklusiv wohnen

2017 bekommt die Lebenshilfe Frankfurt einen neuen Fachbereich für Intensiv und Inklusiv Betreutes Wohnen.

Selbstvertretung

2018 schlagen Aufsichtsrat und Vorstand der Lebenshilfe Frankfurt vor, einen Selbstvertreter-Rat einzurichten. Die Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen haben die Aufgabe, sich für die Interessen von Menschen mit Behinderung einzusetzen, zum Beispiel bei Gesprächen mit Politikern. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich. Der erste Selbstvertreter ist bereits im Einsatz. Der Selbstvertreter-Rat eine eigene Internet-Seite.

Schulassistenz vor Ort: Giulia Cantavenera und Irmgard Remmert an der Friedrich-Fröbel-Schule 2018
Open Air-Sommerfest Projekt WIR auf Gut Hausen 2019
Björn Schneider und Claudia Fischer eröffnen das Hof- und Kelterfest auf Gut Hausen 2019
Die 2020er Jahre - Ausblick

Wir stellen fest: Entwicklung ist immer dann besonders gut gelungen, wenn wir den Weg gemeinsam beschritten haben.

Ein gemeinsames Verständnis ist nicht immer selbstverständlich. Schließlich kommen in unserem Verein ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Als erste waren da Eltern, Angehörige und Frankfurter Bürger*innen, die bereit waren, sich sozial zu engagieren. Später kamen die ersten hauptamtlichen Mitarbeiter*innen hinzu. Sie brachten eigene Themen und Anliegen mit.

Unsere Entwicklung war möglich durch die Unterstützung der Gesellschaft:

  • durch die Sozialpolitik,
  • durch den Landeswohlfahrtsverband Hessen und die Stadt Frankfurt,
  • aber auch durch viele großzügige Spender.

Im Laufe der Jahre haben wir viel dazu gelernt.
Wir haben verstanden: Menschen mit Behinderung wollen und können für sich selber eintreten. Ihre Perspektive ist entscheidend für eine inklusive Gesellschaft.

In der Lebenshilfe Frankfurt haben wir vieles was uns verbindet:
Gemeinsam treten wir für Menschenrechte ein. Das bedeutet konkret:

  • Menschen mit Behinderung bekommen die notwendige Unterstützung.
  • Jeder Mensch erhält Zugang zu allen Lebensbereichen.

Und wir haben viel vor:

  • Wir wollen, dass Menschen, die sich an uns wenden, zeitnah unsere Unterstützung erhalten.
  • Wir wollen unser Atelier Goldstein weiterentwickeln und eine Akademie Goldstein schaffen.
  • Wir werden unser erstes inklusives Wohnprojekt realisieren. Weitere sollen folgen.
  • Auf Gut Hausen entsteht eine Tagesförderstätte.

Deshalb bauen wir unsere Angebote aus.

Wir freuen uns, wenn Sie uns unterstützen, zum Beispiel

  • mit einer Spende.
  • oder mit Ihrer Mitgliedschaft in unserem Verein.
Volker Liedtke-Bösl, Vorstand

Drei Mitglieder im Interview

Gisela Bürkner, Mitglied seit 1977, Mitglied im Vorstand von 1991 bis 2014

Zitate aus dem Interview:

„Also ich muss sagen durch das, dass ich kontinuierlich hingegangen bin (zum Mütterkreis), hat mir das sehr, sehr viel geholfen in der Verarbeitung mit der Behinderung. Denn ich hatte ja keinerlei Ahnung und man konnte zu dieser damaligen Zeit auch kaum jemanden fragen. Jörg ist 1969 geboren, da lief das ja ganz langsam an, das mal Behinderung öffentlicher war. Und da hab ich viel gelernt und auch viel so für mich mitgenommen, dass es mir auch besser geht.“

„Ich sage mal so: durch die Lebenshilfe habe ich unheimlich viele Menschen kennengelernt. Jetzt Eltern, hauptsächlich Mütter, weil mit denen hat man ja zu der Zeit mehr zu tun gehabt. Heute hat sich das verändert. Und auch Betreuer, die ich so nie kennengelernt hätte, wahrscheinlich, und die mir auch was bedeutet haben oder bedeuten. Und das fand ich auch so schön.“

Gisela Bürkner und Wiltrud Enders, Hof- und Kelterfest 2017
Wiltrud Enders, Mitglied seit 1981, Mitglied im Vorstand/Aufsichtsrat seit 2005

Zitate aus dem Interview:

„Abgeschreckt hat mich erst mal das damalige Logo der Lebenshilfe „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ und ich hab mich da einfach nicht mit identifiziert und bin dann auch erst mal gar nicht in die Lebenshilfe eingetreten. Und ich hab dann gemerkt, es gab für die Schulkinder einen Nachmittagskreis Mittwochsnachmittags. Und da ich alleinerziehend war, hab ich das dann doch angenommen, um ein paar Stunden ein bisschen frei zu haben. Und während die Kinder dann in der Lebenshilfe waren und dort beaufsichtigt worden sind, sind wir Mütter in die Stadt gegangen zum Einkaufen und danach zum Kaffeetrinken.“

„Für die Zukunft wünsche ich mir einfach, dass alle anstehenden und angestoßenen Projekte auch realisiert werden können. Also jetzt nicht speziell ein Projekt, sondern alle, die so anstehen.“

Gisela Bürkner und Wiltrud Enders, Hof- und Kelterfest 2017
Beate Riesenkampff, Mitglied seit 1987, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit von 08/1990 bis 03/1999

Zitate aus dem Interview:

„Inzwischen hatten wir verstanden, dass es nichts Beschämendes sein muss, sich professionelle Unterstützung zu suchen, bzw. diese anzunehmen. Aus dieser Überzeugung heraus waren wir inzwischen Mitglied in der Lebenshilfe geworden.“

„Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Frankfurter Lebenshilfe signalisieren, dass sie mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind. Es gibt kaum eine bessere Werbung für den Verein, als zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

„Die Lebenshilfe ist ein bekannter Verein und wird als mögliche Anlaufstelle für Familien und ihre behinderten Angehörigen jeden Alters wahrgenommen. Insofern besteht die Hoffnung, dass die betroffenen Familien ebenso eine angemessene Unterstützung erhalten, wie wir damals.“

Beate Riesenkampff

Leitung

Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung im Laufe der Geschichte

Vorsitzender Vorstand/Aufsichtsrat

  • Dr. Kurt Werner, Steuerberater, Vorstandsvorsitzender von 1961 bis 1967
  • Fritz (Friedrich) Hill, Oberregierungs-Rat a.D., Vorstandsvorsitzender von 1967 bis 1975
  • Dr. med. Karl Wilhelm Otto Lürmann, Facharzt für Innere Krankheiten, Vorstandsvorsitzender von 1975 bis 1977
  • Hermann Schepeler, kfm. Angestellter, Vorstandsvorsitzender von 1977 bis 1979
  • Dr. Hans Rust, Bankdirektor a.D., Vorstandsvorsitzender von 1979 bis 1985
  • Frank Mußmann, Verwaltungsbeamter, Kanzler an der Kunsthochschule Offenbach, Vorstandsvorsitzender von 1985 bis 2013
  • Günter Bausewein, Vorstandsvorsitzender von 2013 bis 2015
  • Dr. Gert Spennemann, Bankkaufmann, Aufsichtsratsvorsitzender seit 2015

Geschäftsführer/Vorstand

  • Wolfgang Schmidt-Bätz, Geschäftsführer von 1990 bis 1993
  • Günter Bausewein, Geschäftsführer von 1994 bis 2009
  • Ekkehard Höllein, Geschäftsführer von 2010 bis 2013
  • Volker Liedtke-Bösl, Geschäftsführer von 2013 bis 2014, Vorstand seit 2014