Zu einem Empfang im Kaisersaal des Römers hatte die Frankfurter Oberbürgermeisterin, Petra Roth, am 1. Juli geladen. Anlass war die offizielle Verabschiedung einer Delegation der „Guangzhou Disabled Persons Federation“ (GDPF) aus Frankfurts Partnerstadt in China. Fünf chinesische Pädagoginnen und Pädagogen, darunter Lehrer und Einrichtungsleiter, waren für rund sieben Wochen Gäste der Lebenshilfe. Hier wollten sie vor allem, in ihrer Heimat noch weitgehend unbekannt, Frühförderung und frühe Hilfen für Kinder mit geistiger Behinderung kennenlernen. Sie hospitierten in der Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe, in den integrativen Kindereinrichtungen, im Bereich Freizeit und Reisen und besichtigten weitere Lebenshilfe-Einrichtungen wie zum Beispiel die Wohnstätte „Alte Mühle“. Weitere Frankfurter Einrichtungen und Träger der Behindertenhilfe standen auf dem umfangreichen Besichtigungsprogramm. Jinghui Chen, der stellvertretende Leiter eines Waisenhauses in Guangzhou, war von den vielfältigen Angeboten und dem Konzept der Lebenshilfe sehr angetan. Besonders beeindruckt hat ihn, dass nicht die Rehabilitation, sondern die Persönlichkeit des betreuten Menschen im Vordergrund stehe. In diesem Sinne wolle er sich in seiner Heimat für den Aufbau früher Hilfen einsetzen. Allerdings müsse sich auch die pädagogische Ausbildung der Betreuenden weiter entwickeln, denn trotz großer Universität gebe es noch keine Möglichkeit, Sonderpädagogik zu studieren. Dies wollen er und die weiteren Mitglieder der „Guangzhou Disabled Persons Federation“ (GDPF) durch eine Eingabe an die chinesische Regierung bewirken.
Für beide Seiten, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe, insbesondere aber für die chinesischen Kolleginnen und Kollegen, war der wechselseitige Austausch äußerst beeindruckend und befruchtend. Dies betonte die ehrenamtliche Stadträtin, Dr. Ursula Fechter, in ihrer Ansprache während des Empfangs und dankte sowohl den Gastgebern als auch den interessierten Gästen. Die Städtepartnerschaft zwischen Guangzhou und Frankfurt besteht seit 22 Jahren. Der Austausch von Einrichtungen der Behindertenhilfe begann vor zwei Jahren und wird, wie Frank Mußmann, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Frankfurt, ankündigte, im kommenden Jahr fortgesetzt Dann wolle man sich „intensiver mit der mit der traditionellen Chinesischen Medizin und der Physiotherapie befassen“, so Mußmann.